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Oktober

EEG-Umlage sinkt 2018 - aber nur ganz leicht

2017-10-16


Die umstrittene Umlage zur Förderung des Ökostroms sinkt leicht um 1,3 Prozent. Bei den Verbrauchern wird der RĂŒckgang aber kaum spĂŒrbar werden.

Die Umlage zur Förderung des Ökostroms, bekannt als EEG-Umlage, fĂ€llt im kommenden Jahr etwas geringer aus. 2018 zahlen die Verbraucher 6,792 Cent zusĂ€tzlich je Kilowattstunde, aktuell sind es noch 6,88 Cent. Das teilten die vier Übertragungsnetzbetreiber Amprion, Tennet, 50 Hertz und Transnet BW mit. Der RĂŒckgang um 1,3 Prozent sei unter anderem einem fĂŒr Schwankungen angelegten Finanzpolster zu verdanken, das nicht ausgeschöpft wurde.

Die Umlage sinkt damit erst zum zweiten Mal seit der EinfĂŒhrung im Jahr 1998. Der RĂŒckgang ist allerdings so gering, dass sich Haushaltskunden kaum Hoffnungen auf fallende Strompreise machen können. Die Umlage macht gut ein FĂŒnftel des Tarifs fĂŒr Haushaltskunden aus. Entscheidend sind daneben der Einkaufspreis fĂŒr Strom, Steuern, Abgaben und GebĂŒhren zur Nutzung des Netzes.

Umstritten sind seit langem die Industrierabatte bei der Förderung, die die ĂŒbrigen Stromverbraucher ĂŒber die Umlage mit bezahlen. Betreiber von WindrĂ€dern, Solar-, Wasserkraft- und Biogasanlagen erhalten bisher eine feste VergĂŒtung. Über die EEG-Umlage wird die Differenz zwischen dem am Markt fĂŒr den Strom erzielten Preis und dem VergĂŒtungssatz gewĂ€hrt: Je billiger der Strom fĂŒr die Energiekonzerne ist, desto höher muss die Umlage ausfallen - und umgekehrt. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist inzwischen reformiert. Wer die geringste Förderung verlangt, bekommt kĂŒnftig den Zuschlag.

Experten gingen schon seit einigen Monaten von einer Absenkung der EEG-Umlage aus. Denn Strom wird auch an der Börse gehandelt. Aus dem EEG-Konto bekommen Windrad- und Solaranlagen-Betreiber zwar vorab festgelegte FördersĂ€tze erstattet, doch gleichzeitig wird der Strom vermarktet. An den Stromkunden bleibt so nur die Differenz hĂ€ngen - und die ist umso kleiner, je mehr der Strom an der Börse bringt. Erhielte zum Beispiel ein Solaranlagen-Betreiber gesetzlich garantiert sechs Cent je eingespeister Kilowattstunde, und brĂ€chte sie an der Strombörse vier Cent ein, dann mĂŒssten aus dem EEG-Konto nur zwei Cent draufgelegt werden. Sinkt der Strompreis, wird es entsprechend teurer. Gemessen an den Börsenpreisen war die Umlage zuletzt sehr hoch.

 

Solarenergie wÀchst weltweit stÀrker als Atom- und Kohlekraft

2017-10-04

Kein anderer EnergietrĂ€ger ist 2016 so schnell gewachsen wie die Solarenergie. Der Trend wird vor allem durch billige Solarzellen aus China verursacht - und dĂŒrfte dauerhaft sein.

Der Einsatz von Solaranlagen ist 2016 weltweit erstmals stÀrker gewachsen als der aller anderen EnergietrÀger. Das geht aus einem Bericht der Internationalen Energieagentur IEA hervor. Das Wachstum von Wind- und Wasserkraft verlangsamte sich hingegen. Trotzdem machten erneuerbare Energien im Jahr 2016 zwei Drittel des KapazitÀtszuwachses im Energiesektor aus - ein höherer Anteil als je zuvor.

Verantwortlich fĂŒr den Boom der Solarenergie sind vor allem staatliche Förderungen und sinkende Kosten fĂŒr Solaranlagen. Fast 60 Prozent der Solarzellen stammen der IEA zufolge mittlerweile aus China, wo sie vergleichsweise gĂŒnstig produziert werden. Dort befindet sich auch die HĂ€lfte aller Abnehmer. Die USA blieben trotz politischer Unsicherheiten durch die Klimapolitik von PrĂ€sident Donald Trump der zweitgrĂ¶ĂŸte Wachstumsmarkt fĂŒr Solaranlagen.

Laut IEA wird das Wachstum erneuerbarer Energien insgesamt anhalten. So könnten die KapazitĂ€ten weltweit in den nĂ€chsten fĂŒnf Jahren um weitere 43 Prozent zulegen. Erneuerbare Energien wĂŒrden damit 2022 fast 30 Prozent zum globalen Energiemix beitragen. Noch im vergangenen Jahr hatte die IEA mit zwölf Prozent weniger Wachstum gerechnet.

Eine zunehmend grĂ¶ĂŸere Rolle spielt bei dieser Entwicklung außer China auch Indien: Die KapazitĂ€ten erneuerbarer Energien auf dem Subkontinent könnten sich bis 2022 verdoppeln und damit das Wachstum in der EuropĂ€ischen Union ĂŒberholen, das sich deutlich verlangsamen dĂŒrfte. In Deutschland soll das Wachstum in den nĂ€chsten fĂŒnf Jahren konstant bleiben.

September

Erneuerbare ĂŒberflĂŒgeln Atomkraft auch in der EuropĂ€ischen Union

2017-09-20

Anteil der Erneuerbaren am Strommix legt zu, wÀhrend Kernkraft an Bedeutung verliert.

Berlin, 8. September 2017. In der EuropÀischen Union wÀchst der Anteil der Erneuerbaren Energien am Strommix, wÀhrend die Atomkraft weiter an Bedeutung verliert. Wie aus Daten der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) hervorgeht, sank die Produktion von Atomstrom im immer Àlter werdenden EU-Kraftwerkspark 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 2 Prozent auf rund 800 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Im Gegenzug erhöhte sich die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien um rund 2 Prozent auf mehr als 950 Mrd. kWh.

Dabei konnten laut Daten von Agora Energiewende alle wichtigen Erneuerbaren-Technologien leicht zulegen. „Der Trend geht klar in Richtung Erneuerbare Energien, auch wenn der Ausbau noch zĂŒgiger voranschreiten kann. Damit die Atomkraft europaweit endlich an ihren wahren horrenden Kosten gemessen wird und ins Museum kommt, braucht es faire Regeln in der EU“, erklĂ€rt der stellvertretende GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Agentur fĂŒr Erneuerbare Energien (AEE), Nils Boenigk.

In den kommenden Jahren werden die Erneuerbaren weiter zulegen. Denn die installierte Leistung Erneuerbarer Energien zur Stromproduktion ist im vergangenen und in diesem Jahr in zahlreichen EU-Mitgliedstaaten spĂŒrbar gestiegen. In Frankreich erhöhte sich 2016 die installierte Leistung in den Technologiesparten Windkraft und Bioenergie gegenĂŒber dem Vorjahr jeweils zweistellig. Insgesamt stieg die installierte Anlagenleistung Erneuerbarer Energien zur Stromproduktion um 2.200 Megawatt (MW) auf knapp 46.000 MW. Die neue französische Regierung hat das Ziel bekrĂ€ftigt, den dominierenden Anteil der Atomenergie bis 2025 auf 50 Prozent abzusenken und dazu bis zu 17 Atomreaktoren stillzulegen. Knapp die HĂ€lfte aller EU-Atomreaktoren steht in Frankreich.

In Deutschland geht Ende dieses Jahres Block B des Kernkraftwerks Gundremmingen vom Netz. Dann verbleiben noch sieben Reaktoren, darunter Brokdorf, wo es in diesem Jahr zu einer langen Produktionspause gekommen war. Trotz Atomausstiegsbeschluss ist Deutschland bislang vor Großbritannien und Schweden immer noch der zweitgrĂ¶ĂŸte EU-Atomstromproduzent.

Trotz des Aufstiegs der Erneuerbaren Energien halten einzelne EU-Mitgliedsstaaten an der Kernkraft fest, darunter Großbritannien und Finnland, wo geplante oder in Bau befindliche Neubauprojekte mit großen Schwierigkeiten und Verzögerungen behaftet sind.

Quelle: Agentur fĂŒr Erneuerbare Energien, www.unendlich-viel-energie.de
Juli

23 Milliarden ĂŒberwiesen - Atomkonzerne kaufen sich frei

2017-07-03

FĂŒr insgesamt mehr als 23 Milliarden Euro ĂŒbernimmt ab sofort der deutsche Staat die Verantwortung fĂŒr die Endlagerung des AtommĂŒlls. Ob die Milliarden-Zahlungen der deutschen Atomkonzerne tatsĂ€chlich ausreichen, kann jedoch niemand verlĂ€sslich sagen.

Deutschlands Atomkonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall haben insgesamt mehr als 23 Milliarden Euro fĂŒr die Zwischen- und Endlagerung des NuklearmĂŒlls an einen Staatsfonds ĂŒberwiesen. Das bestĂ€tigten die Konzernsprecher auf dpa-Nachfrage.

Die Milliardensumme fließt in einen Fonds, der von Investment-Spezialisten verwaltet wird. Daraus sollen die Kosten vor allem fĂŒr das geplante Atom-Endlager beglichen werden. Wie hoch diese sein werden und ob die Zahlungen der Konzerne reichen, kann heute noch niemand verlĂ€sslich sagen. SpĂ€testens Ende 2022 werden alle Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet. Bis dahin soll der Staatsfonds noch deutlich an Wert gewinnen.

Aus technischen GrĂŒnden und wegen der hohen Summen mussten die Überweisungen auf mehrere VorgĂ€nge aufgeteilt werden. Allein vom grĂ¶ĂŸten Einzelzahler Eon kamen rund 10 Milliarden Euro. Eon musste erhebliche Anstrengungen unternehmen, um das Geld aufzubringen: So gab es im MĂ€rz eine Kapitalerhöhung, zusĂ€tzlich legte der Konzern Mitte Mai Anleihen mit einem Volumen von zwei Milliarden Euro auf.

RWE steuerte 6,8 Milliarden Euro bei, EnBW 4,8 Milliarden Euro und Vattenfall 1,8 Milliarden Euro. Indem sie die Summe auf einen Schlag aufbrachten, umgingen die Konzerne die hohen Zinsen von 4,58 Prozent jÀhrlich, die im Falle einer Ratenzahlung zusÀtzlich angefallen wÀren.

Alle weiteren Risiken fĂŒr die kĂŒnftige Entsorgung liegen damit ab sofort beim Staat. Dieser Kompromiss geht auf VorschlĂ€ge der Atomkommission von 2016 zurĂŒck. Die Konzerne mĂŒssen außerdem die Stilllegung und den Abriss der Kernkraftwerke bezahlen. Das wird nach EinschĂ€tzung von Fachleuten noch Jahrzehnte dauern.

Noch vor wenigen Tagen hatten Eon, RWE und EnBW allerdings unverhoffte Zusatzeinnahmen kassiert: Der Staat musste nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes gut sechs Milliarden Euro an zu Unrecht erhobener Brennelementesteuer fĂŒr die Kernkraftwerke plus Zinsen zurĂŒckerstatten.

Juni

Atomenergie: Verfassungsgericht kippt Brennelemente-Steuer

2017-06-07

Die von 2011 bis 2016 erhobene Brennelementesteuer ist nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts unvereinbar mit dem Grundgesetz. In der am Mittwoch veröffentlichten Entscheidung erklĂ€ren die Karlsruher Richter das Gesetz zur Brennelementesteuer deshalb rĂŒckwirkend fĂŒr nichtig. Das bedeutet: Die Steuer wird so behandelt, als sei sie von Beginn an unwirksam gewesen. Damit können die Atomkonzerne auf RĂŒckerstattung von insgesamt mehr als sechs Milliarden Euro hoffen. Der Bund habe keine Gesetzgebungskompetenz fĂŒr den Erlass der Steuer gehabt, heißt es zur BegrĂŒndung.

Das Steuergesetz stammt noch aus der Zeit, bevor der Reaktorunfall von Fukushima im MĂ€rz 2011 die Energiewende in Gang setzte. Im Jahr zuvor hatte die schwarz-gelbe Koalition eine LaufzeitverlĂ€ngerung durchgesetzt, die den Energieversorgern stattliche ErtrĂ€ge gebracht hĂ€tte. Gleichsam im selben Atemzug beschloss die Koalition die EinfĂŒhrung einer Steuer auf die Verwendung von Kernbrennstoffen. Von 2011 an wurden auf jedes Gramm Uran Steuern in Höhe von 145 Euro erhoben. Weil pro Reaktor schnell ein paar Hundert Kilo Uran zusammenkamen, entfaltete die Steuer einen erheblichen Sparanreiz auf die Kernkraftbetreiber. Besteuert werden nĂ€mlich nur neu eingebrachte Brennelemente - weshalb beispielsweise RWE seine Produktion in seinen Reaktoren in Gundremmingen so umstellte, dass ein Drittel weniger BrennstĂ€be ausgetauscht werden mussten. In sechs Jahren hat die Brennelemente-Steuer dem Fiskus fast 6,3 Milliarden Euro eingebracht.

Der Konzern Eon klagte - und bekam Recht beim Finanzgericht Hamburg

Kern des verfassungsrechtlichen Streits war die Frage, ob der Bund ĂŒberhaupt zustĂ€ndig fĂŒr die Erhebung der Steuer war. Das Grundgesetz hat die Steuern sorgsam in verschiedene Schubladen unterteilt - der Bund ist daher nur zustĂ€ndig, wenn das Gesetz in der richtigen Schublade liegt.

Die Regierung hatte die Abgabe seinerzeit als "Verbrauchsteuer" deklariert, was auf den ersten Blick etwas ĂŒberraschend wirkt, weil man bei Verbrauchsteuern eher an Kaffee, Tabak oder Schaumwein denkt. Auf Klage von Eon hatte das Finanzgericht Hamburg - und Ă€hnlich das Finanzgericht MĂŒnchen - jedenfalls eine ZustĂ€ndigkeit des Bundes verneint und den Fall im Jahr 2013 dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe vorgelegt. Eine typische Verbrauchsteuer mĂŒsse darauf angelegt sein, auf den Endverbraucher umgelegt zu werden - hier also auf die Stromkunden. Das sei bei der Atomsteuer aber nicht der Fall, weil höhere Preise nicht am Markt durchsetzbar wĂ€ren, schrieb das Gericht in einem Hundert-Seiten-Beschluss. Womit die Steuer letztlich eine anders verpackte Abschöpfung von Gewinnen der Kraftwerksbetreiber wĂ€re.

 

Der grĂ¶ĂŸte Bremser ist von Bord

2017-06-02

Der Bremser Trump hat den Klimazug verlassen - aber auch ohne ihn werden die USA und der Rest der Welt ihren Weg aus der Klimakatastrophe finden mĂŒssen. Denn entscheidend ist, was die Weltgemeinschaft gegen den Klimawandel tut.

Ein Kommentar von JĂŒrgen Döschner, WDR

Wer meint, er sitzt im falschen Zug, mit dem sollte man nicht ĂŒber eine Drosselung der Geschwindigkeit oder gar einen Richtungswechsel diskutieren - den sollte man schlicht und ergreifend bei nĂ€chster Gelegenheit aussteigen lassen. Donald Trump hat das nun endlich begriffen - und die verbliebenen 194 Reisenden an Bord des Klimazuges hoffentlich auch.

Der Klimaschutz-Zug rollt, er muss rollen - auch ohne die USA. Möglicherweise sogar schneller und besser. Der grĂ¶ĂŸte Bremser ist von Bord. 195 Staaten, fast alle LĂ€nder der Welt, haben das Klimaabkommen von Paris unterzeichnet. Nun gesellt sich Trump zu Syrien und Nicaragua, den einzigen, die bislang nicht mitgezogen sind.

Wenn die verbliebenen 194 Staaten konsequent und mutig daran arbeiten, die ErderwĂ€rmung zu stoppen, werden sie am Ende mehr erreichen als 195 Staaten, die sich aus RĂŒcksicht auf einen Unentschlossenen und Uneinsichtigen zu faulen Kompromissen ĂŒberreden lassen.

Kein Aus-Knopf fĂŒr Trump

Sicher, die USA sind eine große Industrienation, sie sind nach China der grĂ¶ĂŸte CO2-Produzent, verbrennen Öl, Gas und Kohle wie kaum ein anderes Land. Aber so wenig, wie es den einen "Roten Knopf" gibt, mit dem sich ein Land auf Klimaschutz-Modus umschalten lĂ€sst, so wenig gibt es diesen Roten Knopf fĂŒr den umgekehrten Vorgang.

Die Energiewende, die Abkehr der Investoren von Kohle, Öl und Gas, der technische und ökonomische Siegeszug der Erneuerbaren, der Niedergang der Kohle - das alles ist auch in den USA lĂ€ngst angekommen, und das alles wird sich auch in den USA eines Trump nicht umkehren lassen.


Was Trump denkt, spielt keine Rolle

Trump mag die Wissenschaft missachten, aber er kann weder die Gesetze der Physik noch die der Ökonomie nach seinem GutdĂŒnken verĂ€ndern. Er mag der Zweidrittelmehrheit der Amerikaner, die sich fĂŒr den Verbleib im Klimaschutzabkommen ausgesprochen haben, vor den Kopf stoßen; er mag versuchen, dem geballten Sachverstand der Wissenschaft mit LĂŒgen und "alternativen Fakten" die platte Stirn zu bieten.

Das Land und der Rest der Welt werden ihren Weg aus der Klimakatastrophe auch ohne Trump, auch gegen Trump finden. Entscheidend ist nicht, was Trump in Sachen Klimawandel denkt, sondern was der Rest der Welt im Kampf gegen den Klimawandel tut.

Der SchlĂŒssel zum Erfolg in diesem Kampf lag schon vor Trumps Kamikaze-Entscheidung in jedem einzelnen Land. Und jetzt noch mehr. FĂŒr Deutschland heißt das: Raus aus der Kohle, weg vom Verbrennungsmotor, Ausbau der Erneuerbaren, mehr Energieeffizienz - und das möglichst schnell.

Der Bremser Trump hat den Klimaschutzzug verlassen - will vielleicht wieder aufspringen, wenn das Tempo gedrosselt wird. Aber die einzig richtige Antwort kann nur lauten, das Tempo zu erhöhen!

April

Klimaschutz in Deutschland: CO2-Jahresbudget schon aufgebraucht

2017-04-11

Der selbsternannte Klimaschutz-Vorreiter bekommt schlechte Noten: Einer Studie zufolge hat Deutschland in den ersten drei Monaten sein gesamtes Jahresbudget an CO2-Emissionen bereits verbraucht. Auch in den kommenden Jahren ist keine Besserung in Sicht.

Deutschland hat in den ersten drei Monaten bereits so viel Kohlendioxid ausgestoßen wie es im gesamten Jahr 2017 freisetzen dĂŒrfte, um das Pariser Klimaabkommen einzuhalten. Bis 2050 dĂŒrfe Deutschland jedes Jahr durchschnittlich 220 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen, ohne das Weltklima zu gefĂ€hrden, sagte der Vorsitzende der Brancheninitiative Zukunft Erdgas, Timm Kehler, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Deutschland habe jedoch bereits am 3. April sein "gesamtes Budget fĂŒr 2017 verbraucht".

Kehler berief sich auf eine Studie der Berliner Nymoen Strategieberatung. In der Studie wurde das weltweite CO2-Budget des Klimaabkommens mittels Pro-Kopf-SchlĂŒssel auf Deutschland umgerechnet. Demnach fielen hierzulande die meisten CO2-Emissionen beim Autofahren, Fliegen, bei der Stromerzeugung und fĂŒrs Heizen an.

Verbesserungen beim Klimaschutz dringend nötig

Die Bundesregierung hat sich eigentlich dazu bekannt, den CO2-Ausstoß zwischen 2010 und 2050 auf neun Milliarden Tonnen CO2 zu reduzieren, um die globale ErderwĂ€rmung auf ein beherrschbares Maß von unter zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Allerdings sagt die Studie auch fĂŒr die nĂ€chsten drei Jahre voraus, dass dieses fiktive CO2-Budget schon im April des jeweiligen Jahres erschöpft sein wird.

Die Bilanz mache deutlich, dass noch viel verbessert werden mĂŒsse, sagte Kehler: "Wir mĂŒssen so wirtschaften, dass wir bis zum 31. Dezember mit unserem Budget auskommen." Dazu könnte die Modernisierung alter Heizungsanlagen einen wesentlichen Beitrag leisten, ebenso die Umstellung der Stromerzeugung von Braunkohle auf Erdgas.

Ende 2015 war bei der UN-Klimakonferenz in Paris ein globales Klimaschutzabkommen beschlossen worden. Es sieht vor, die ErderwÀrmung auf möglichst 1,5 Grad, mindestens aber auf weniger als zwei Grad zu begrenzen.

MĂ€rz

GrĂŒner Strom-Label: Höchste QualitĂ€tsstandards im europĂ€ischen Vergleich fĂŒr Ökostromlabels bestĂ€tigt

2017-03-19

Viele Ökostromprodukte erfĂŒllen laut einer Untersuchung der europĂ€ischen Verbraucherorganisation BEUC die Kundenerwartungen nicht / GrĂŒner Strom-Label erzielt bestes Ergebnis in Deutschland

Bonn, 08. MĂ€rz 2017. Eine Studie des Dachverbandes europĂ€ischer Verbraucherorganisationen BEUC zu den ÖkostrommĂ€rkten in Europa ergab, dass ĂŒber 15 Millionen Haushalte inzwischen Ökostrom beziehen. Doch viele vermeintlich „grĂŒne“ Tarife liefern weder echten Ökostrom noch fĂŒhren sie zu einem Ausbau erneuerbarer Energien. Verbraucherinnen und Verbraucher können sich somit auch nur auf wenige Ökostromlabels verlassen. In Deutschland erzielt das GrĂŒner Strom-Label laut BEUC das beste Ergebnis.

„Eine zentrale Erkenntnis der Untersuchung ist, dass es eklatante QualitĂ€tsunterschiede bei GĂŒtesiegeln fĂŒr Ökostrom gibt“, erklĂ€rt Rosa Hemmers, Vorsitzende des GrĂŒner Strom Label e.V. „Ein Ökostromlabel kann Verbraucherinnen und Verbrauchern nur dann eine Orientierungshilfe bieten, wenn es anspruchsvolle und auf den nationalen Markt abgestimmte PrĂŒfstandards anlegt.“

In der im Januar 2017 veröffentlichten Studie untersuchte BEUC zwölf Ökostromlabels in Europa anhand von fĂŒnf Kriterien:

* Transparenz sicherstellen: Ein Ökostromlabel sowie seine Kriterien und Entscheidungsprozesse sollen unabhĂ€ngig, transparent und verstĂ€ndlich sein.
* Kopplung von Strommenge und -herkunft: Herkunftsnachweise und Strommengen sollen aus demselben Ökokraftwerk stammen.
* Umweltanforderungen an Ökokraftwerke etablieren: Bestehende Energieerzeugung und der Bau neuer Erneuerbarer-Energien-Anlagen sollen möglichst umweltvertrĂ€glich sein.
* Fossile Energieerzeugung ausschließen: Auch die GesamtaktivitĂ€ten der Anbieter in Bezug auf die Stromproduktion aus fossilen Energien sollen mit betrachtet werden.
* Zusatznutzen garantieren: Ein Ökostromlabel soll nicht nur die Herkunft von Ökostrom betrachten, sondern auch den Ausbau erneuerbarer Energien nachweislich fördern.

Die Untersuchung hat ergeben: Das GrĂŒner Strom-Label erfĂŒllt als einziges Ökostromlabel auf dem deutschen Strommarkt alle fĂŒnf Kriterien zur vollsten Zufriedenheit. Kern des GrĂŒner Strom-Zertifizierungsmodells ist, dass pro verbrauchter Kilowattstunde Ökostrom ein fester Förderbetrag in naturvertrĂ€gliche Erneuerbare-Energien-Anlagen wie Wind- oder Solarkraftwerke investiert wird.

Die europĂ€ische Verbraucherorganisation reiht sich damit in die Liste unabhĂ€ngiger Marktbeobachter ein, die die hohen QualitĂ€tsstandards des GĂŒtesiegels GrĂŒner Strom immer wieder bestĂ€tigen. So zum Beispiel die Verbraucherzentrale Niedersachsen, die in einem detaillierten Marktcheck nur das GrĂŒner Strom-Label mit der Bestnote ‚sehr empfehlenswert‘ bewertete. Zu Ă€hnlichen Ergebnissen kommen auch die anerkannten Einkaufsratgeber ÖKO-TEST und Nachhaltiger Warenkorb.

Weitere Informationen zur Untersuchung ‚A ‘Green Electricity’ Market That Works For Consumers’ finden Sie hier.

 

E.on macht höchsten Verlust der Firmengeschichte

2017-03-15

Der Energiekonzern E.on verzeichnet einen Rekordverlust von 16 Milliarden Euro. Die AktionĂ€re bekommen das direkt zu spĂŒren.

Der Versorger E.on hat den höchsten Verlust der Firmengeschichte verbucht. Insgesamt summierte sich das Minus im vergangenen Jahr auf 16 Milliarden Euro, wie der Konzern am Mittwoch in Essen mitteilte. Im Jahr davor hatte E.on bereits einen Verlust von annÀhernd sieben Milliarden Euro geschrieben.

Die AktionĂ€re bekommen das direkt zu spĂŒren: Die Dividende soll von zuletzt 0,50 Euro je Anteilsschein auf 0,21 Euro fĂŒr 2016 schrumpfen. FĂŒr das Jahr 2017 will E.on dann wieder 0,30 Euro zahlen. FĂŒr die Jahre danach wird die AusschĂŒttungsquote auf 50 bis 60 Prozent festgelegt - bislang lag die Quote bei 40 bis 60 Prozent. "Die Bilanz des Übergangsjahres 2016 ist eine ZĂ€sur, die den Weg von E.on in die neue Energiewelt frei macht", sagte Konzernchef Johannes Teyssen.

Die bevorzugte Einspeisung von Solar- und Windstrom hat die Preise im Großhandel stark sinken lassen, E.on musste Abermilliarden auf seine Kraftwerksbeteiligung Uniper abschreiben. Hinzu kommen die Belastungen aus dem Atomausstieg. E.on wird Mitte des Jahres rund zehn Milliarden Euro an den staatlichen Atomfonds ĂŒberweisen.

FĂŒr das laufende Jahr verspricht E.on Besserung. Der bereinigte KonzernĂŒberschuss soll auf 1,2 bis 1,45 Milliarden Euro ansteigen. Im vergangenen Jahr war er auf 904 Millionen Euro zurĂŒckgegangen, 2015 hatte der bereinigte Überschuss bei knapp 1,1 Milliarden Euro gelegen.

 

Einig im AtommĂŒll-Pakt: Staat trĂ€gt Risiko, Atomkonzerne zahlen

2017-03-11

Nach langem Ringen steht offenbar das Paket zur Entsorgung der atomaren Altlasten. Die Bundesregierung hat sich mit den Atomkonzernen auf Vertragsdetails verstÀndigt.

Knapp ein Jahr nach der Grundsatzeinigung haben sich die Bundesregierung und die vier Energieriesen Vattenfall, E.ON, RWE und EnBW auf die Entsorgung des AtommĂŒlls verstĂ€ndigt. Dies erklĂ€rte das Wirtschaftsministerium in einer Mitteilung, die dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt.

Verankert sei darin unter anderem, dass die vier AKW-Betreiber die Klagen gegen den Bund im Zusammenhang mit Entsorgungsfragen sowie der Stilllegung von Meilern nach der Fukushima-Katastrophe fallenließen. Dies hatten die Unternehmen schon in Aussicht gestellt. Sie halten aber an der Verfassungsklage gegen die Brennelementesteuer fest. Vattenfall verfolgt zudem sein Verfahren vor dem Schiedsgericht in den USA gegen Deutschland wegen des Atomausstiegs weiter.

Unternehmen zahlen Stilllegung und Abriss der Reaktoren

Der Entsorgungspakt sieht vor, dass die Verantwortung fĂŒr die Zwischen- und Endlagerung des hochradioaktiven AtommĂŒlls an den Staat ĂŒbergeht, der damit alle Risiken tragen muss. Im Gegenzug ĂŒberweisen E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall bis Mitte 2017 insgesamt rund 23,6 Milliarden Euro an einen öffentlich-rechtlichen Fonds, mit dem die Kosten der MĂŒll-Lagerung ĂŒber Jahrzehnte gedeckt werden sollen.

Die Stilllegung und der Abriss der Reaktoren mĂŒssen von den Unternehmen bezahlt werden. Allein hier rechnen Experten mit Kosten von bis zu 60 Milliarden Euro. Das letzte Atomkraftwerk soll im Jahr 2022 vom Netz gehen. Die Versorger haben im Zuge der Energiewende mit erheblichen Problemen zu kĂ€mpfen. Der endgĂŒltige Vertrag solle unmittelbar nach dem Inkrafttreten des entsprechenden Gesetzes unterzeichnet werden, hieß es. Zuvor mĂŒsse die EU-Kommission grĂŒnes Licht geben. Die beihilferechtliche Genehmigung aus BrĂŒssel wird im FrĂŒhjahr erwartet.

Kritik von Greenpeace und den GrĂŒnen

Die Atomexpertin der GrĂŒnen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, nannte es unverstĂ€ndlich, dass die Bundesregierung es nicht geschafft habe, die Konzerne von allen Klagen abzubringen: "Das ist das Ergebnis einer Waschlappen-Verhandlung." Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mĂŒsse "auf die schwedische Regierung einwirken, um die Klage in Washington wegzukriegen". Susanne Neubronner von Greenpeace kritisierte: "Die Milliardenklagen der Konzerne laufen weiter, aber vor ihrer Verantwortung fĂŒr den AtommĂŒll haben sie sich trickreich gedrĂŒckt. FĂŒr die Steuerzahler ist dieser Deal das denkbar schlechteste Ergebnis."

Februar

Ökostrom-Anbieter kritisieren „Etikettenschwindel“

2017-02-22

Etwa zwei Drittel der Verbraucher wollten wissen, welchen Energiemix aus Atom-, Kohle- oder Öko-Strom ihr Versorger liefere. 62 Prozent erwarten eine transparente Kennzeichnung, aus welchen Quellen der Strom kommt, wie aus einer Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov fĂŒr mehrere Ökostromlieferanten hervorgeht. 66 Prozent wollen anhand der Kennzeichnung Tarife und Anbieter vergleichen können.

„Die Verbraucher werden in die Irre gefĂŒhrt“, kritisierte Lichtblick-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Gero LĂŒcking. „Die gesamte Branche sollte ... den Etikettenschwindel beenden.“ Oliver Hummel vom Anbieter Naturstrom forderte: „Auch fĂŒr Strom gilt - es darf nur draufstehen, was auch drin ist.“ Die Kennzeichnung mĂŒsse wieder zu 100 Prozent die Strom-Einkaufspolitik der Versorger abbilden.

Die gesetzlichen Vorschriften zur Strom-Etikettierung seien unzureichend. So mĂŒssten Versorger deutlich weniger Kohle- und Atomstrom in ihrem Energiemix angeben, als sie fĂŒr Kunden einkaufen.

Bei den Angaben zur Herkunft der gelieferten Energie mĂŒssten die Versorger laut der gesetzlichen Stromkennzeichnung bis zu 46 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien angeben, den sie aber gar nicht fĂŒr ihre Kunden beschafften, wird weiter kritisiert. Im Gegenzug sinke der Anteil von Strom aus fossilen und nuklearen Quellen - indes nur in der Strom-Etikettierung, nicht aber im Energieeinkauf der Unternehmen.

Dabei lege mehr als die HĂ€lfte der Verbraucher großen Wert auf saubere Energie. 26 Prozent gaben an, bereits Ökostrom zu beziehen, weitere 28 Prozent ĂŒberlegen, zu Ökostrom-Tarifen wechseln. 32 Prozent der Befragten ist die Herkunft der Energie egal.

 

Plötzlicher Boom fĂŒr die Windkraft

2017-02-08

Keine acht Monate ist es her, da demonstrierte die Windbranche in Berlin. "Warnminute 5 vor 12", lautete das Motto der Proteste im Mai, "Energiewende retten!" Ein neues Gesetz war in Arbeit, es sollte die Förderung der Windparks komplett umstellen. Die WindmĂŒller wĂ€hnten ihr Ende. Doch es kam anders.

Denn offensichtlich fĂŒhrt die Umstellung der Förderung in nĂ€chster Zeit zum schieren Gegenteil. Weil um 5 vor 12 noch besonders viele neue Windparks genehmigt wurden, werden nicht weniger, sondern mehr neue WindrĂ€der gebaut. Die Pipeline, so gab Energie-StaatssekretĂ€r Rainer Baake jetzt beim SZ-FĂŒhrungstreffen Energie in Essen bekannt, umfasse satte 8500 Megawatt. Das entspricht mehr als 2000 neuen WindrĂ€dern oder der Leistung von sechs Atomkraftwerken. "Wir bewegen uns am oberen Rand der Ausbaukorridore", sagt Baake. Die Koalition hatte ursprĂŒnglich bis 2025 einen Ökostrom-Anteil von 40 bis 45 Prozent angepeilt. Experten schließen nicht aus, dass der Anteil von Wind, Sonne und Co bis dahin sogar ĂŒber den 45 Prozent liegen könnte. Derzeit sind es knapp 30 Prozent.

Auch fĂŒr die Branche ist der Jammer vom vergangenen Mai mittlerweile vergessen. "Wir können zufrieden sein", sagt Hermann Albers, Chef des Wind-Verbands BWE. Insgesamt habe sich der Zubau stabilisiert und konzentriere sich nicht mehr allein auf die windreichen Regionen des Nordens. Das legen auch neue Zahlen der Branche nahe. Demnach wurden im vorigen Jahr bundesweit knapp 1300 neue WindrĂ€der angeschlossen, mit einer Gesamtleistung von 4260 Megawatt - der zweitbeste Wert in der Geschichte, nur 2014 wurden mehr WindrĂ€der errichtet. Neben den KĂŒstenlĂ€ndern Niedersachsen und Schleswig-Holstein legte die Windkraft aber auch im Hinterland zu, etwa in Nordrhein-Westfalen, Baden-WĂŒrttemberg oder ThĂŒringen. Bundesweit drehen sich mittlerweile 27 000 WindrĂ€der mit einer Gesamtleistung von 46 000 Megawatt.

Im laufenden Jahr dĂŒrfte nun der nĂ€chste Rekord folgen. "Wir erwarten fĂŒr 2017 einen Bruttozubau zwischen 4500 und 5000 Megawatt", sagt Matthias Zelinger, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Maschinenbau-Verbands VDMA Power System. "Es können aber auch mehr sein." Schließlich gebe es ja auch Vorzieheffekte. "Es war klar, dass es einen Run geben wird", so Zelinger. Allerdings hat die Branche den Run unterschĂ€tzt: Ihre Zahlen basieren auf Last-Minute-Genehmigungen im Umfang von 6100 Megawatt. Die restlichen 2400 Megawatt mĂŒssen in der allerletzten Minute hinzugekommen sein, womöglich auch wegen eifriger Behörden in BundeslĂ€ndern, in denen GrĂŒne mit an der Regierung sind.

Dezember

Verfassungsgericht: AKW-Betreibern steht EntschĂ€digung fĂŒr Atomausstieg zu

2016-12-06


– Der Atomausstieg 2011 sei zwar im Wesentlichen mit dem Grundgesetz vereinbar, entschied das Bundesverfassungsgericht.
– Allerdings mĂŒssten die Energiekonzerne fĂŒr ihre Investitionen entschĂ€digt werden.
– Die Bundesregierung hat nun bis Juni 2018 Zeit, die entsprechenden Regelungen nachzubessern.

Den Energiekonzernen steht wegen des beschleunigten Atomausstiegs nach der Katastrophe von Fukushima-1 eine "angemessene" EntschĂ€digung zu. Das stellte das Bundesverfassungsgericht nach Klagen von Eon, RWE und Vattenfall fest. Mit der Karlsruher Entscheidung wird den Unternehmen zwar noch kein Geld zugesprochen. Sie schafft aber die Grundlage dafĂŒr, AnsprĂŒche außergerichtlich oder in weiteren Prozessen durchzusetzen.

Der Atomausstieg sei zwar im Wesentlichen zumutbar, so das Gericht. Allerdings sei es nicht mit dem Grundgesetz vereinbar, dass die Konzerne keinen Ausgleich fĂŒr ihre Investitionen erhalten. Der Gesetzgeber mĂŒsse diese Frage bis zum 30. Juni 2018 neu regeln. Die Aktien von RWE und Eon legten nach der VerkĂŒndung des Urteils zwischenzeitlich um mehr als fĂŒnf Prozent zu - viele Beobachter hatten damit gerechnet, dass den Konzernen kein Recht auf EntschĂ€digungen zugesprochen wird.

Bei den Verfassungsbeschwerden ging es um den beschleunigten Atomausstieg im Jahr 2011. Nach dem Reaktorunfall im japanischen Meiler Fukushima-1 ließ die Regierung sieben Ă€ltere Atomkraftwerke sofort abschalten, außerdem legte sie Termine fest, zu denen die anderen Kraftwerke abgeschaltet werden mĂŒssen. Bis 2022 soll Deutschland komplett aus der Atomenergie ausgestiegen sein. Die Energiekonzerne Eon, RWE und Vattenfall sehen sich dadurch enteignet und verklagten den Bund auf eine finanzielle EntschĂ€digung.

Die Bundesregierung war in dem Verfahren der Meinung, der Gesetzgeber dĂŒrfe jederzeit aus einer riskanten Technik wie der Kernkraft aussteigen. "Fukushima hat auch in Deutschland eine Neubewertung nötig gemacht", sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) in der Verhandlung. Dem entgegnete Eon-Chef Johannes Teyssen, dass sich das Risiko durch das UnglĂŒck in Japan nicht verĂ€ndert habe, sondern nur die Risikowahrnehmung.

November

Ausbau der Windkraft kommt zum Stillstand

2016-11-29

– Im ersten Halbjahr 2016 sind 65 WindrĂ€der im Freistaat aufgestellt worden. Sie wurden allerdings in der Zeit vor Seehofers 10 H-Gesetz genehmigt. Das schreibt fest, dass ein Windrad mindestens das Zehnfache der Höhe als Abstand zum nĂ€chsten Ort haben muss.

– Die Landtagsopposition befĂŒrchtet, dass mit Neuerungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz 2017 noch weniger Anreiz besteht, WindrĂ€der zu bauen.


Auf den ersten Blick sind die Zahlen gar nicht so schlecht: 65 WindrĂ€der sind im ersten Halbjahr 2016 in Bayern aufgestellt worden. Damit ist endlich die Tausender-Marke geknackt worden - laut Branchen-Statistik drehen sich 1002 WindrĂ€der im Freistaat. "Aber das ist nur der erste Blick", sagt der GrĂŒnen-Landtagsabgeordnete Martin StĂŒmpfig. "Die neuen WindrĂ€der stammen alle noch aus der Zeit vor Seehofers Abstandsgesetz."

Fakt ist fĂŒr StĂŒmpfig, aber auch fĂŒr die SPD und die Freien WĂ€hler: Der Ausbau der Windkraft in Bayern ist praktisch zum Stillstand gekommen. In der Windkraft-Branche sehen sie das nicht anders: "2017, 2018, 2019 wird es sicher jeweils ein paar Projekte geben", sagt Raimund Kamm, der Vorsitzende des bayerischen Windenergie-Verbands. "Aber angesichts der Möglichkeiten der Windkraft hier sind das viel zu wenige."

Es gibt zwei GrĂŒnde fĂŒr den Pessimismus des Verbandschefs Kamm und der Landtagsopposition: Der eine ist Seehofers 10 H-Gesetz vom November 2014, also die Vorgabe, dass der Abstand zwischen einem neuen Windrad und der nĂ€chsten Wohnsiedlung das Zehnfache der Anlagen-Höhe betragen muss. Bei modernen WindrĂ€dern sind das wenigstens zwei Kilometer. Seehofer hatte das 10 H-Gesetz nach wĂŒtenden Protesten gegen den Ausbau der Windkraft vor allem in Unterfranken durchgeboxt. Der andere Grund sind die Verschlechterungen, die das EEG ab 2017 bringt. Sie machen es der Windkraft in Bayern noch einmal schwerer, als sie es durch 10-H eh schon hat.

Aber die Branche, die immerhin 12.300 ArbeitsplĂ€tze im Freistaat zĂ€hlt, will nicht klein beigeben. Im Gegenteil. Viele Ingenieure, Planer und sogar der eine oder andere Kommunalpolitiker gehen fest davon aus, dass die Windkraft der Stromlieferant der Zukunft sein wird, auch in Bayern. Auf dem Windenergietag, dem ersten Branchentreff im Freistaat seit Seehofers 10 H-Gesetz, der jetzt in Neumarkt in der Oberpfalz stattfand, gab es sogar eine trotzige "Jetzt-erst-recht"-Stimmung. "Der Windkraft gehört die Zukunft", sagt auch Verbandschef Kamm. "Voraussichtlich haben wir dieses Jahr erstmals mehr Windstrom als Atomstrom in Deutschland." Und mit Kosten zwischen fĂŒnf und neun Cent je Kilowattstunde sei Windstrom schon jetzt sehr viel gĂŒnstiger als Strom aus neuen Gaskraftwerken.

 

Trump wird den Niedergang der Kohle nicht stoppen können

2016-11-23

Der Niedergang der Kohleindustrie in den USA dauert schon Jahrzehnte an. Donald Trump hat eine radikale Kehrtwende in der Energiepolitik versprochen. Doch sein Einfluss auf die Kohleindustrie ist gering.

Am Montagabend verkĂŒndete Donald Trump den Plan fĂŒr seinen ersten Tag im Amt. Er werde alle Regeln aufheben, die die Energiebranche, insbesondere der Kohleindustrie, ArbeitsplĂ€tze kosten. "Das wird mehrere Millionen hoch bezahlter Jobs schaffen. Das ist, was wir wollen. Darauf haben wir gewartet." An den Klimawandel, der von der Verbrennung von Kohle extrem beschleunigt wird, glaubt Trump nicht. Doch er glaubt daran, dass Jobs in den Minen in sein Land zurĂŒckkehren werden, wenn er nur die Regeln zum Klimaschutz wieder rĂŒckgĂ€ngig macht, die sein VorgĂ€nger Barack Obama eingefĂŒhrt hat.

Doch der Einfluss des PrÀsidenten auf die Zukunft der Kohleindustrie ist gering, glauben Beobachter von Ratingagenturen, Umweltgruppen und sogar aus der Energieindustrie. "Ich denke nicht, dass Trumps PrÀsidentschaft einen ernst zu nehmenden Einfluss darauf hat, die Kohlearbeiter wieder an die Arbeit zu schicken", sagte Ted O'Brien, Kohle-Experte beim Beratungsunternehmen Doyle Trading Consultants, der New York Times.

Der Niedergang der Kohleindustrie dauert schon Jahrzehnte an. Im Oktober arbeiteten nur noch 54 000 Menschen in den Minen der USA - 1980, in den goldenen Zeiten, waren es 250 000 Arbeiter. Die UmsĂ€tze der Kohlefirmen schrumpfen. "Die Industrie ist pleite. Unsere KohlemĂ€rkte sind ruiniert", sagte Robert Murray, Chef von Murray Energy aus Ohio, auf einer Branchenkonferenz. Einst stolze Namen wie Arch Coal, MarktfĂŒhrer Peabody Energy oder Patriot Coal rutschten seit dem vergangenen Jahr in die Pleite.

All das hat mit Politik kaum etwas zu tun, sondern liegt an der Marktwirtschaft und dem technischen Fortschritt. Die Unternehmen setzen inzwischen viel mehr Maschinen ein, die Automatisierung hat Tausende Kohle-Jobs gekostet. Und das Hauptproblem ist die geschrumpfte Nachfrage. Der Bedarf an Kohle fĂŒr die Stahlproduktion ist in den USA gesunken, weil die Stahlindustrie in einem jahrzehntelangen Niedergang steckt. Auch Kohleverbrennung fĂŒr die Strom- und WĂ€rmeproduktion ist im Abschwung. Der Preis von Kohle insgesamt sinkt zwar seit Jahren, was die Nachfrage eigentlich steigern mĂŒsste, doch die Alternative ist noch schneller billiger geworden: Erdgas. Die USA fördern immer mehr Gas mit Technik wie Fracking. Auch Wind- und Solarstrom werden in den USA immer billiger und beliebter.

Der Anteil von Kohle im Strommix ist rapide gesunken, derzeit sind es nur noch rund 30 Prozent. Vor zehn Jahren produzierten die USA noch die HĂ€lfte ihres Stromverbrauchs mit Kohle. Seit 2010 haben die Unternehmen 243 Kohlekraftwerke in den USA stillgelegt oder verkĂŒndet, sie abschalten zu wollen, hat die Umweltorganisation Sierra Club gezĂ€hlt. Damit verbleiben nur noch 280 Kohlekraftwerke. Ein Neubauprojekt gibt es nicht. Viele Banken haben sich aus der Finanzierung neuer Kohlekraftwerke zurĂŒckgezogen.

Unter PrĂ€sident Barack Obama, im Amt seit Anfang 2009, hat sich der Niedergang noch einmal beschleunigt. Er hat scharfe Auflagen fĂŒr Kohlekraftwerke erlassen. Im vergangenen Jahr sank die Kohleproduktion noch einmal um zehn Prozent auf den niedrigsten Stand seit 1986. Der Kohlekonzern Cloud Peak Energy (...) warnt vor ĂŒbertriebenem Optimismus. Der globale Kampf gegen den Klimawandel werde durch Trump nicht verschwinden. Ihm sei es lieber, wenn die US-Regierung Unternehmen bei Effizienz- und Umweltschutz-Maßnahmen unterstĂŒtzt, statt dass sie alle Regeln zurĂŒckdreht.

 

45 LĂ€nder wollen komplett auf Kohle, Öl und Gas verzichten

2016-11-18

Es ist ein bedeutender Beschluss auf der Uno-Klimakonferenz in Marokko: 45 Staaten möchten ihre Energieversorgung komplett auf erneuerbare Energien umstellen. Die Tagung endet euphorisch.

Sie halten sich fĂŒr die Staaten, die am meisten durch den Klimawandel bedroht werden. Seit Jahren versuchen 43 LĂ€nder, die sich im "Climate Vulnarable Forum" (CVF) zusammengeschlossen haben, der Weltgemeinschaft ein Versprechen abzuringen: den Verzicht auf Kohle, Öl und Erdgas.

Jetzt gehen sie selber voran. Auf der Uno-Klimakonferenz in Marrakesch prĂ€sentieren die CVF-Staaten am Freitag einen außergewöhnlichen Beschluss: So schnell wie möglich wollen die 43 und zwei weitere ihre Energieversorgung vollstĂ€ndig auf erneuerbare Energien umstellen.

Bis spĂ€testens 2020 wollen sie ihre nationalen Klimaziele auf das Ziel hin umschreiben. Ziel sei, die globale ErwĂ€rmung auf 1,5 Grad ĂŒber dem Niveau des 19. Jahrhunderts zu bremsen. Das Konzept der CVF-LĂ€nder ist der bei weitem ehrgeizigste Klimaplan der Welt.

Kipppunkt einer Energierevolution

Es handelt sich um Ă€rmere LĂ€nder aus Afrika, Asien, der Karibik und der SĂŒdsee. Sie fĂŒhlen sich besonders durch den Anstieg des Meeresspiegels, durch DĂŒrren und StĂŒrme bedroht, deren Auswirkungen sich aufgrund der erwarteten ErwĂ€rmung verschĂ€rfen könnten.

"Das ist endlich eine Ansage ohne HintertĂŒren", kommentiert die Klimaexpertin von "Brot fĂŒr die Welt", Sabine Minninger, den Beschluss der 45 LĂ€nder. Die globale Energiewende werde jetzt von den potenziellen Opfern des Klimawandels gesteuert.

Als "sehr starke Botschaft" bezeichnet Wael Hmaidan von der Umweltorganisation Climate Action Network die Initiative der CVF-Staaten. Sie markiere "den Kipppunkt einer Energierevolution", meint Jessy Tolkan vom Umweltnetzwerk Purpose Climate Lab.

Euphorische Uno-ErklÀrung

Die Vereinten Nationen beschließen ihre Klimatagung in Marrakesch am Freitag mit einer teils euphorisch klingenden AbschlusserklĂ€rung: "Ein außerordentliches Momentum" im Kampf gegen den Klimawandel sei erreicht, heißt es im Entwurf der AbschlusserklĂ€rung der Konferenz, die am Freitagnachmittag veröffentlicht werden soll.

Aufgabe sei es, auf dem Welt-Klimavertrag aufzubauen, die Klimaziele aller Staaten stetig zu verschĂ€rfen - noch vor 2020. Dieser Forderung sind nun die 43 CVF-LĂ€nder und ihre zwei Partnerstaaten nachgekommen. Sie fĂŒllten den Klimavertrag mit Leben, sagt Minninger.

Die Energiewende der 45 soll von IndustrielÀndern ermöglicht werden. Der Klimavertrag sieht Entwicklungshilfe in Höhe von jÀhrlich 100 Milliarden Dollar vor, um die Folgen des Klimawandels zu mildern. Westliche Firmen sollen die Technologie liefern.

 

Rekordwert: 40 Prozent des Stroms aus Bayern ist grĂŒn

2016-11-10

Das ist Rekord: Knapp 40 Prozent des Stroms aus Bayern kam 2015 aus erneuerbaren Energien. Ein Mix aus verschiedenen Energiequellen brachte den Erfolg.

Knapp 40 Prozent des Stroms aus Bayern kam im vergangenen Jahr aus erneuerbaren Energien. Dies sei ein Rekordwert, teilte das Statistische Landesamt am Donnerstag in FĂŒrth mit. Insgesamt wurden im Freistaat rund 86.200 Gigawattstunden Strom erzeugt. Dies waren 2,3 Prozent weniger als im Vorjahr, was vor allem auf die verminderte Stromproduktion aus Kernenergie zurĂŒckzufĂŒhren ist. Die erneuerbaren Energien legten hingegen binnen Jahresfrist um 7,8 Prozent zu. Vor allem die Windkraft, aber auch Photovoltaik und Biomasse verzeichneten ein Plus.

Wichtigste regenerative Energiequelle blieb mit 13 Prozent die Wasserkraft, wenngleich die Sonnenenergie inzwischen nahezu gleichauf ist. Erdgas habe im bayerischen Strommix zuletzt einen Anteil von knapp 11, Steinkohle von 5 Prozent gehabt. Strom aus Atomkraftwerken hingegen verlor an Bedeutung, machte im vergangenen Jahr aber immer noch 42,5 Prozent aus (2014: 48 Prozent).

 

Abgabe auf Brennelemente: Steuern sparen im AKW

2016-11-03

Weil 2017 die Brennelementesteuer endet, verzögern Konzerne die Beladung der Reaktoren. Dem Staat entgehen so hunderte Millionen Euro.

Mit einem banalen Steuertrick wollen die deutschen AKW-Betreiber Hunderte von Millionen Euro sparen: Weil nach aktueller Gesetzeslage die Steuer auf Kernbrennstoffe zum Jahresende auslĂ€uft, haben die Atomunternehmen ihre Revisionszeiten zum Austausch der Brennelemente auf den Jahresbeginn 2017 verschoben. Üblicherweise werden solche Abschaltzeiten im Sommerhalbjahr terminiert, weil dann der Stromverbrauch im Land und damit auch der Börsenpreis der Kilowattstunden geringer ist.

Diesmal aber werden vier der acht deutschen Atomkraftwerke im Januar abgeschaltet sein, die anderen vier in den Monaten Februar bis April. Denn relevant fĂŒr die Steuer in Höhe von 145 Euro je Gramm Kernbrennstoff ist der Zeitpunkt, zu dem die nukleare Kettenreaktion startet, nachdem ein Brennelement in einen Reaktor eingebracht wurde. Also versucht die Atomwirtschaft, den Austausch des Brennstoffs so weit möglich ĂŒber das Jahresende hinauszuzögern.

Gerade 212 Brennelemente wurden im Jahr 2016 in den deutschen Reaktoren nach einer Übersicht der Organisation ausgestrahlt bisher gewechselt. In einem normalen Jahr sind es rund 600. Bis Ende Juli erzielte der Staat daher lediglich 266 Millionen Euro an Einnahmen aus der Brennelementesteuer, nur ein Drittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

FĂŒr das ganze Jahre hatte Finanzminister Wolfgang SchĂ€uble mit Einnahmen von einer Milliarde Euro gerechnet – „eine Luftnummer“ heißt es nun bei ausgestrahlt. Denn fĂŒr 2016 sei nur noch in einem einzigen AKW eine fĂŒr den Brennelemente-Austausch notwendige Abschaltung vorgesehen, nĂ€mlich derzeit im AKW Neckarwestheim 2. Dort wĂŒrden dann aber deutlich weniger Brennelemente ausgetauscht als ĂŒblich.

Da die Unternehmen lediglich die GestaltungsspielrĂ€ume nutzen, die ihnen die Politik gibt, richten Atomkraftgegner ihre Kritik an die Bundesregierung. Zahlreiche Organisationen und auch einige Landesregierungen haben sich in den vergangenen Wochen bereits dafĂŒr stark gemacht, dass die Steuer bis zum Ende der Atomkraft in Deutschland, also bis 2022, verlĂ€ngert wird. „Es gab noch nie einen vernĂŒnftigen Grund, 2016 die Brennelementesteuer auslaufen zu lassen“, sagt Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund fĂŒr Umwelt und Naturschutz Deutschland.

Eine Berechnung des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) kam kĂŒrzlich zu dem Ergebnis, dass die AKW-Betreiber durch den Wegfall der Steuer zusammen zwischen 2,9 und 4,4 Milliarden Euro an Zusatzgewinnen einstreichen werden. Thomas E. Banning, Chef der Naturstrom AG, die das FÖS-Gutachten in Auftrag gegeben hatte, sagt: „Steuerfrei AtommĂŒll produzieren, dessen Lagerung kĂŒnftige Generationen auf Jahrtausende beschĂ€ftigen wird – das geht nicht.“

 

Strom-Rabatte fĂŒr Firmen kosten Verbraucher mehr als eine Milliarde Euro

2016-11-02

Rabatte fĂŒr die deutsche Industrie bei den Strom-Netzentgelten kosten die Verbraucher weitere Milliarden. Im kommenden Jahr mĂŒssen die sogenannten Letztverbraucher 1,115 Milliarden Euro zusĂ€tzlich tragen, um Subventionen fĂŒr die stromintensiven Betriebe zu zahlen, die von einem Teil der Netzentgelte befreit werden. Das geht aus einer Mitteilung der Übertragungsnetzbetreiber hervor.

Seit 2012 haben diese Subventionen die Verbraucher etwa 4,5 Milliarden Euro gekostet. Die GrĂŒnen fordern den Wegfall der Milliarden-Hilfe. Die Umlage ist seit Jahren umstritten. Von ihr profitieren große Stromabnehmer aus der Stahl- oder Aluminiumindustrie - aber auch Schlachthöfe, Discounter, Fast-Food-Filialen, Rechenzentren, Banken, Versicherungen, KrankenhĂ€user, GroßbĂ€ckereien, KĂŒhlhĂ€user oder die Deutsche Börse.

Die entgangenen Erlöse werden als Aufschlag auf die Netzentgelte umgelegt. 2017 steigt die Umlage von 0,378 auf 0,388 Cent pro Kilowattstunde. Im Jahr 2015 waren 4433 Unternehmen von Teilen der Netzentgelte befreit, wie aus einer Antwort der Bundesregierung an die GrĂŒnen-Abgeordnete BĂ€rbel Höhn hervorgeht.

EingefĂŒhrt wurde die Befreiung 2011 nach dem Atomausstieg, weil mit steigenden Strompreisen gerechnet wurde. Weil der Strompreis an der Börse seitdem jedoch gesunken ist, fordert Höhn eine Abschaffung der Subvention. Sie mĂŒssten komplett gestrichen werden, sagt sie.

Derzeit erhielten jedoch jedes Jahr zusĂ€tzliche Unternehmen die UnterstĂŒtzung, "weil ĂŒber kreative Prozesse die Voraussetzungen fĂŒr die Befreiung" erreicht wĂŒrden. Gerichte hĂ€tten die Umlage schon zweimal fĂŒr unrechtmĂ€ĂŸig erklĂ€rt. Doch durch nachtrĂ€gliche Änderungen sei die Subventionierung erhalten worden.

Juli

EinspeisevergĂŒtungen: Gesetz bringt bayerische Windkraft weiter unter Druck

2016-07-11

Die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die der Bundestag am Freitag beschlossen hat, bedroht die Windkraft in Bayern wirtschaftlich. Das neue EEG ersetzt ab 2017 die bisher gewĂ€hrten festen EinspeisevergĂŒtungen durch ein Ausschreibungsmodell.
Dabei werden die Standorte in Bayern mit ihren im deutschlandweiten Vergleich schwachen WindstĂ€rken nur schwer mithalten können. Nach einer Studie im Auftrag des Bundesverbands Windenergie liegen die mittleren Gestehungskosten fĂŒr Windstrom an den besten Standorten in Norddeutschland mittlerweile bei nur noch 5,3 Cent pro Kilowattstunde. Bei den windschwĂ€chsten Standorten im Binnenland dagegen kostet Windstrom in der Herstellung durchschnittlich 9,6 Cent pro Kilowattstunde.
Ausschreibung statt fixer VergĂŒtung

Ab 2017 werden durch die jetzt beschlossene EEG-Novelle die fixen EinspeisevergĂŒtungen abgeschafft. Dann mĂŒssen bayerische Windenergieprojekte in Ausschreibungen mit norddeutschen konkurrieren. Und werden schlechte Karten haben.

Das neue EEG sieht fĂŒr windschwĂ€chere Standorte zwar einen Bonus beim gezahlten Strompreis vor. Der gleicht den Nachteil jedoch nur teilweise aus - so dass unter den bayerischen Windrad-Standorten nur die besten konkurrenzfĂ€hig bleiben dĂŒrften.

Kaum Auswahl an Standorten
Gute Standorte sind jedoch ohnehin knapp, und wegen der bayerischen "10H"-Sonderregel zum Mindestabstand fĂŒr WindrĂ€der von Siedlungen ist die Auswahl an Standorten drastisch geschrumpft.

Im ersten Quartal 2016 ging bei den bayerischen Behörden nach Angaben der Staatsregierung kein einziger Antrag fĂŒr ein neues Windrad ein.

Mai

Beim Ökostrom genau hinsehen

2016-05-18

Vaterstetten – Bringt Ökostrom die Energiewende weiter? Die Antwort des Arbeitskreises Energiewende Vaterstetten: Es kommt darauf an.


Öko-Strom ist Strom, der aus erneuerbaren Quellen stammt, also hauptsĂ€chlich Sonne, Wind, Wasser, Biomasse. ,,Es gibt Anbieter, die Ökostrom auf der Basis von Zertifikaten verkaufen, die von Betreibern Ă€lterer Wasserkraftwerke stammen", erklĂ€rt der Arbeitskreis. ,,Das ist völlig legal solange die Zertifikate nicht mehrfach verkauft werden. Aber es Ă€ndert nichts am Anteil der Erneuerbaren Energien im gesamten Netz", so Willi Frisch von der Energiewende Vaterstetten. Einen positiven Effekt gebe es nur, wenn der Ökostrom-Anbieter sich verpflichte, aus seinen Gewinnen Investitionen in die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien zu tĂ€tigen, ausgedrĂŒckt in der ,,Neuanlagenquote".

Die Gemeinde Vaterstetten, habe herausgefunden, dass der Bayerische Gemeindetag in seinen Ausschreibungen fĂŒr die kommunale Energieversorgung hierbei nicht differenziert hatte, erklĂ€rt der Arbeitskreis. ,,Das wird sich aber auf unser Insistieren hin in Zukunft Ă€ndern", verspricht der Vaterstettener Klimaschutzmanager Tobias Aschwer.

Die Energiewende Vaterstetten empfiehlt: ,,Wer einen Stromanbieter sucht, der wirklich etwas bewegt in Richtung Energiewende, muss sich darĂŒber informieren, in welchem Umfang der Anbieter in erneuerbare Energien investiert." HartnĂ€ckiges Nachfragen lohne sich. Einen ersten Anhaltspunkt lieferten auch geeignete GĂŒtesiegel wie „GrĂŒner Strom“-Label oder „O K Power" GĂŒtesiegel.

Quelle: MĂŒnchner Merkur Nr. 113